Fischfütterung bei Thamnophis – Ein immer wiederkehrendes Thema

 

Am 14. August 2015 übernahm ich ein Sirtalis sirtalis Weibchen welches ich in einer Kleinanzeige entdecke. Im folgenden Schriftwechsel stellte sich heraus das das Tier als Pärchen im April 2015 aus schlechter Haltung übernommen wurde und 2 Wochen später 28 Jungtiere gebar. 

Der neuen Halterin waren die Tiere aber zu aufgeregt und sie wollte sie am liebsten alle los werden.  Da ich aber selbst noch mit meinem Marcianus Nachwuchs ausgelastet war, entschied ich mich vorerst nur das Muttertier zu übernehmen aber in Kontakt zu bleiben.

Nachdem im Januar 2016 meine Marcianus alle untergebracht waren und ich wieder Platz frei hatte, fragte ich nach was vom Nachwuchs noch übrig wäre. 7 Jungtiere und das Männchen hieß es und ich entschied mich dafür alle restlichen Tiere zu übernehmen. Übergabe -ort und -termin wurden vereinbart , man übergab mir die nun nur noch 6 Jungtiere und das Männchen in einem komplett eingerichteten 60cm Glasbecken, das Männchen befand sich in einem Beutel im Becken. 

Aufgrund der Kälte beschäftigte ich mich nicht großartig mit der Begutachtung der Tiere sondern wollte sie so schnell wie möglich in ihr neues warmes Zuhause bringen. Zuhause angekommen wurde das Becken ausgeräumt um die Kleinen genauer anschauen zu können. Dabei stellten meine Frau und ich fest das alle Tiere kleinere oder größere „Knubbel“ am Rücken aufwiesen, sich seltsam verhielten bzw. bewegten und sich zum Teil extrem verdrehten. 

Daraufhin setzte ich die Tiere alle einzeln um bessere Bilder zu bekommen und sie besser beobachten zu können. Ich machte Fotos und Videos und verschickte sie an mehrere Thamnophis Halter um möglichst viele Meinungen einzuholen. Zeitgleich kontaktierte ich die Vorbesitzerin und fragte nach was, wieviel und wie oft gefüttert wurde. Alles zusammen ergab ein doch recht eindeutiges Bild.

Gefüttert wurde hauptsächlich Fisch, weil sie sich davor ekelte Mäuse klein zu schneiden, das Männchen bekam angeblich Maus und Fisch. Die Rückmeldungen, der von mir angeschriebenen Haltern waren fast alle eindeutig. Optik und Verhalten der Tiere ließen auf eine falsche Ernährung schließen die einen großen Kalzium- und Vitaminmangel verursacht hatte. Beim herausnehmen der Tiere fühlten sie sich leblos und schlapp an, Muskulatur oder Körperspannung war so gut wie keine Vorhanden oder zu spüren. Nur das Männchen machte einen guten Eindruck. Man riet mir die Tiere schnellstens von ihrem Leid zu erlösen, was am folgenden Tag auch geschah.

Die Vorbesitzerin war entsetzt über meine Nachricht und den Zustand der Tiere, sie hatte Fisch gefüttert weil sie es so gelesen hatte…

 

Diese leider traurige Geschichte zeigt mal wieder auf bittere Weise was veraltete und überholte Informationen anrichten können.  Sucht man über Google nach Informationen, findet man zum Beispiel solche Aussagen:

„Hallo, hauptsächlich Stinte , also Fisch. Wenn nicht Verfügbar andere Fischarten in Streifen geschnitten. Selten auch mal ein Maus entsprechender Größe.

Hallo, das man Strumpfbandnattern "am besten mit Nagern" ernährt würde ich nicht so im Raum stehen lassen. In der Natur ernähren sich Strumpfbandnattern gewöhnlich von Fischen, Fröschen, Molchen, Laich, Kaulquappen, Egeln, Schnecken oder Regenwürmern. Bei einem größeren Wasserteil kann man sehr gut lebende Fische wie Guppys einsetzen. Wenn man viel Fisch verfüttert, sollte es sich nicht nur um Karpfenartige (z.B. Guppys, Platys oder Goldfische) oder Fischfilet und Seefisch handeln.

 

Hallo, Ich persönlich hielt es so, daß ich am Anfang die Neuzugänge in kleinen (80x40x40 cm) großen "Quarantänebecken" hielt, wo ich zur besseren Kontrolle hauptsächlich Fisch, Fischstücke, selten Mäusestücke und dergleichen fütterte, vorrangig mit Vitaminen bestäubt um die Tiere aufzupäppeln und fit zu kriegen (halten). Im Endbecken hatte ich im Wasserbecken immer Fische und je nach Möglichkeit Kaulquappen. Fütterte nur gelegentlich Fischstücke und viel häufiger Regenwürmer/Schnecken zu. Nager habe ich weitestgehend außen vor gelassen, weil viele die einfach nicht fressen und es genügend Futterauswahl gibt. Man sieht erst, wenn man Lebendfutter gibt, wie behende die Schlangen im Wasser sind. Reine Nagerfütterung finde ich nicht abwechslungsreich genug.“

 

Auch in der Fachliteratur wird die Fütterung von Fisch beschrieben, so auch in dem Buch „Strumpfbandnattern“ von Martin Hallmen & Jürgen Chlebowy erschienen 2001 Seite 60 unter 3.4 Ernährung – Fische oder in „Strumpfbandnattern – Herkunft, Pflege, Arten“ von Thomas Bourguigon erschienen 2002 Seite 26 unter Ernährung oder auch „Strumpfbandnattern im Terrarium“  von W.P. Mara erschienen 1995 auf Seite 45 unter Die Ernährung der Strumpfbandnatter. Um nur einige zu nennen… Anmerkungen das bei Fischverfütterung zusätzlich Kalzium und Vitamine zugefüttert werden muss wird leider nur zu oft übersehen bzw. überlesen, gewollt oder ungewollt, darüber möchte ich nicht urteilen.

Bei Anfängern und Laien entsteht dadurch der Eindruck das die Fischverfütterung der einfachste und günstigste Weg der Ernährung  von Thamnophis wäre. Da Thamnophis kaum noch in Zoohandlungen angeboten werden, sehe ich da die Züchter in der Pflicht den Käufer massiv auf die richtige Ernährung hinzuweisen. 

Wünschenswert wäre ein Infoblatt mit den wichtigsten Eckdaten der Art, ihrer Haltung und Ernährung. Das Ganze in doppelter Ausführung wobei eins der Käufer unterschreiben muss, das andere kann er behalten. Jedem seriösen Züchter sollte dieser bürokratische Mehraufwand, der dem Wohlbefinden und der Gesundheit der verkauften Tiere dient,   wichtig sein.

 

Zu guter Letzt aber noch eine kleine schöne Geschichte: Am 03.08.2015 übernahm ich ein Marcianus Jungtier welches auf der Börse in Karlsruhe gekauft wurde. Auch hier, der Verkäufer empfahl die Fütterung von Pangasiusfilet! 

Das Tier wurde letztendlich aus Trennungsgründen abgegeben, wurde bei uns auf Nager umgewöhnt und hat seit dem mächtig an Größe und Umfang zugelegt. Im November 2015 wurde das Tier an die mittlerweile mit vielen Informationen gefütterte Vorbesitzerin zurückgegeben und bekam zusätzlich noch einen Marcianus Albino Kameraden den wir am 18.10.2015 vom Bodenseeraum übernahmen und ebenso erfolgreich von Fischfütterung auf Maus umgewöhnen konnten. Dieses Tier lebte in einem Palludarium mit Fischen als Futter im Wasserteil. Alle drei, die zwei Marcianus Jungs und die Besitzerin leben nun glücklich beisammen…